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„Der Sittich“ im Fritz Theater Chemnitz: Eine Couch, ein Paar und sehr viele Risse

2. Juni 2026 4 Min. Lesezeit Chemnitz lebt Redaktion

Im Fritz Theater Chemnitz läuft mit „Der Sittich“ eine neue Komödie von Audrey Shebat. Was mit einem geplatzten Dinnerabend beginnt, wird schnell zu einem Kammerspiel über Beziehung, Selbsttäuschung und die unangenehme Freude daran, wenn bei anderen etwas schiefläuft.

Manchmal reicht ein Telefonanruf, um einen ganzen Abend aus der Bahn zu werfen. In „Der Sittich“ warten SIE und ER auf befreundete Gäste zum Dinner. Der Wein steht bereit, die Wohnung ist vorbereitet, der Abend scheint kontrollierbar. Dann kommt die Absage. Dazu ein Einbruch. Eine Frau ist verschwunden. Und plötzlich sitzen zwei Menschen nicht mehr nur auf einer Couch, sondern mitten in einer Versuchsanordnung.

Das klingt nach Krimi, ist aber vor allem Beziehungskomödie mit scharfer Kante. Denn je länger das Paar über die abwesenden Freunde spricht, desto deutlicher wird: Eigentlich geht es längst um die eigene Beziehung. Um Gewissheiten, die keine sind. Um Rollen, die man einander zuschreibt. Und um diesen sehr menschlichen Reflex, fremdes Chaos erst einmal beruhigend zu finden, solange das eigene noch halbwegs sortiert aussieht.

Wenn aus Smalltalk plötzlich Selbstentlarvung wird

Das Fritz Theater beschreibt „Der Sittich“ als Kammerspiel über Liebe, Macht und Selbsttäuschung. Auf der Bühne stehen Alica Weirauch und Antonio da Silva, Regie führt Hardy Hoosman. Außerdem ist Helena Böse als Amor zu sehen — eine schöne, leicht absurde Brechung dieses Abends, an dem ausgerechnet die Liebe nicht besonders souverän wirkt.

Der Reiz liegt genau in dieser Verschiebung. Anfangs scheint alles noch beobachtbar: Da ist ein anderes Paar, bei dem offenbar etwas passiert ist. Man kann spekulieren, urteilen, sich wundern. Doch gute Komödien haben die unangenehme Angewohnheit, die Blickrichtung zu drehen. Dann schaut man nicht mehr auf die anderen, sondern auf sich selbst. Oder in diesem Fall: auf SIE und ER, die immer weniger über Gäste reden und immer mehr über das, was zwischen ihnen längst unausgesprochen im Raum steht.

Die Freie Presse hat die Premiere bereits besprochen und nennt die Inszenierung einen „exzellenten Beziehungskrimi“ sowie ein „pointiertes und spannendes Psychospiel“. Das trifft die Anlage ziemlich gut: „Der Sittich“ scheint nicht nur auf den schnellen Lacher zu setzen, sondern auf das Vergnügen, zwei Menschen beim kontrollierten Kontrollverlust zuzusehen.

Fritz Theater Chemnitz: kleines Haus, große Nähe

Das Fritz Theater ist für solche Stoffe ein passender Ort. Die Bühne ist nah, der Raum konzentriert, das Publikum sitzt nicht in sicherer Entfernung zu einem großen Apparat. Wenn auf dieser Bühne eine Beziehung verrutscht, bekommt man es unmittelbar mit. Pointen landen direkter, Pausen werden spürbarer, und kleine Blicke können mehr erzählen als große Erklärungen.

„Der Sittich“ wirkt deshalb nicht wie ein Stück, das man einfach konsumiert und danach wieder vergisst. Es dürfte eher zu den Abenden gehören, bei denen man später noch über einzelne Sätze, Rollenbilder oder Reaktionen spricht. Im besten Fall beim Getränk danach. Im schlechtesten Fall auf der eigenen Couch. Dort dann bitte vorsichtig.

Termine für „Der Sittich“ im Fritz Theater Chemnitz

Die nächsten Vorstellungen im Fritz Theater Chemnitz sind laut aktuellem Spielplan:

DatumUhrzeitHinweis
Donnerstag, 4. Juni19:00 UhrTheatertag, 12 Euro
Freitag, 5. Juni20:00 Uhr
Samstag, 6. Juni20:00 Uhr
Sonntag, 7. Juni16:00 Uhr
Donnerstag, 11. Juni19:00 Uhr
Freitag, 12. Juni20:00 Uhr

Die Aufführung dauert laut Fritz Theater 1 Stunde und 15 Minuten ohne Pause.

Adresse und Karten

Fritz Theater Chemnitz
Kirchhoffstraße 34–36
09117 Chemnitz

Telefon: 0371 / 8747270
Kartenreservierung: reservierung@fritz-theater.de

Karten können direkt über das Fritz Theater gekauft oder reserviert werden. Für die Premiere wurde ein Preis von 20 Euro angegeben, der Theatertag am 4. Juni ist mit 12 Euro ausgewiesen.

Chosy-Tipp: Kulturabend in Chemnitz

Das Fritz Theater gehört auch zu den Kulturpartnern bei Chosy Chemnitz 2026. Das passt gut, denn Chosy ist nicht nur etwas für Essen, Café und Freizeit, sondern auch ein Anlass, die kleineren Bühnen und Kulturorte der Stadt wieder bewusster wahrzunehmen.

„Der Sittich“ ist dafür ein schöner Einstieg: überschaubare Spieldauer, klare Ausgangslage, viel Beziehungskomik und genug Biss, damit der Abend nicht zur reinen Wohlfühlware wird.

Mehr zum aktuellen Programm und zum Fritz Theater Chemnitz als Chosy-Partner haben wir bereits in unserem Beitrag „Fritz Theater Chemnitz: Bühne mit Nähe statt Kultur auf Abstand“ zusammengefasst.

Fazit: Beziehungskomödie mit Krimi-Nerv

„Der Sittich“ im Fritz Theater Chemnitz klingt nach einem Theaterabend, der angenehm kompakt beginnt und dann immer unangenehmer an den richtigen Stellen kratzt. Eine Couch, ein Paar, eine Absage, ein Einbruch, eine verschwundene Frau — und am Ende vermutlich die Frage, wer hier eigentlich wen durchschaut.

Für Chemnitz ist das genau die Sorte Theaterabend, die man sich vormerken kann: nah, pointiert, lokal erreichbar und mit genug Stoff für Gespräche danach.

Fotos im Beitrag Copyright Josefin Kuschela

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