Cheesecake-Eis. Ich glaube, um die zwei Euro die Kugel, Premiumsorte. Man gönnt sich ja sonst nichts außer gelegentlich komplette Selbsttäuschung. Geschleckt habe ich es nicht in Chemnitz. Also müsste ich euch eigentlich gar nicht verraten, wo es das gibt. Von wegen. Denn genau darum geht es bei einem Projekt, über das ich über Karl mag’s süß gestolpert bin: Eisdielen entdecken, teilen, bewerten und im besten Fall gleich noch eine schöne Route dorthin finden auf ice-app.de. Mit dem Rad. Deshalb hat die Seite auch den Zusatz The Gourmet Cyclist. Eine Plattform aus Chemnitz auf der Eisdielen gesammelt, bewertet und mit Touren verbunden werden. Also nicht einfach: Wo gibt’s Eis? Sondern eher: Wo lohnt sich der Stopp wirklich – und wie kommt man möglichst schön dorthin?
Von der Eiswaffel zur Ice-Tour
Am Samstag, 16. Mai 2026 wird daraus ein echtes Event: die Ice-Tour Chemnitz. Start und Ziel ist Karl mag’s süß am Brühl. Dort beginnt und endet also eine Tour, bei der man offiziell sagen darf, man fahre wegen der Bewegung – während die Kugel Eis längst fest eingeplant ist. Die Ice-Tour ist eine privat organisierte, nicht-kommerzielle Community-Ausfahrt und ausdrücklich kein Rennen. Im Läufersprech würde ich sagen: Fun-Run. Trotzdem sollte man das nicht mit einer gemütlichen Runde um den Schlossteich verwechseln. Zur Auswahl stehen drei Strecken: die Genussrunde mit rund 75 Kilometern und 550 Höhenmetern, die sportliche Runde mit 140 Kilometern und 1.600 Höhenmetern und die Königsrunde mit 175 Kilometern und 1.950 Höhenmetern. „Genussrunde“ klingt ja niedlich, dachte ich auf den ersten Blick. Ist aber nicht einmal um den Brühl und immer noch 75 Kilometer. Wer zum Bäcker schon das Auto nimmt, sollte vielleicht lieber bei Karl mag’s süß auf die Rückkehr der Heldinnen und Helden warten. Auch das ist Support.
Was macht eine gute Eisdiele auf einer Radtour aus?
Hinter der Ice-App und der Ice-Tour steht Christian Helbig aus Chemnitz. Ich habe ihn gefragt, was eine richtig gute Eisdiele für einen Stopp auf einer Radtour eigentlich ausmacht. Seine Antwort war angenehm bodenständig: Gutes Eis ist natürlich das Wichtigste, weil es den Unterschied zwischen Highlight und Enttäuschung machen kann. Aber damit ist es eben nicht getan. Eine gute Eisdiele muss auch zur Strecke passen. Die Lage spiele eine Rolle, das Gelände solle sich für eine echte Pause eignen, das Personal freundlich sein – und wenn die Waffel dann noch knusprig ist, werde aus einem Zwischenstopp ein Moment, den man sich merkt.
Das klingt erstmal simpel, aber genau darin steckt die Idee. Wer eine längere Tour fährt, sucht nicht nur Kalorien. Man sucht einen Punkt, an dem die Strecke kurz innehält. Einen Ort, an dem man nicht nur auffüllt, sondern wirklich Pause macht.
Aus einzelnen Entdeckungen wurde eine Plattform
Christian fährt schon seit Jahren solche Runden. Eine Tour ist ihm besonders geblieben: rund 125 Kilometer von Chemnitz über Steinberg und Kuhberg mit Eisstopp in Eibenstock. Die fährt er bis heute gern an warmen Sommertagen. Später kam ein gemütlicher Hinterhofgarten mit Softeisstand in Hartha dazu.
Solche Entdeckungen sind der Kern der Ice-App. Seit dem Start vor etwas über einem Jahr sind viele weitere Eisdielen und Routen hinzugekommen. Deshalb hat Christian auch eine Routen-Funktion eingebaut. Nutzer können nicht nur Lieblings-Eisdielen speichern oder bewerten, sondern passende Touren teilen – für Rennrad, Gravel oder sogar Wanderungen.
Das gefällt mir an der Idee: Eis ist hier nicht bloß Belohnung. Es ist ein Ziel. Und manchmal offenbar auch ein sehr überzeugendes Navigationsargument.
Wie reagieren die Eisdielen?
Am Anfang war Christian selbst unsicher, wie die Betreiber reagieren würden. Schließlich taucht eine Eisdiele dann plötzlich in einer App auf, wird bewertet, eingecheckt und möglicherweise mit anderen verglichen. Bisher sei das Feedback aber sehr positiv gewesen.
Eigentlich logisch: Im besten Fall bringt die Plattform neue Aufmerksamkeit, neue Gäste und Menschen, die nicht zufällig vorbeilaufen, sondern bewusst ansteuern. Die App motiviert dazu, neue Eisdielen zu testen, öfter mal Eis essen zu gehen oder Freunde mitzunehmen.
Das ist der Punkt, an dem aus einer kleinen App-Idee etwas Größeres wird. Nicht riesig, nicht überdreht, aber lokal sinnvoll: Orte werden sichtbarer, Touren werden geteilt, und plötzlich fährt man nicht nur irgendwohin, sondern gezielt zu einem guten Stopp.
Die Checkpoints: Eis statt Tankstelle
Die Ice-Tour orientiert sich an sogenannten Brevets. Dabei fahren Teilnehmende selbstständig bestimmte Kontrollpunkte an. Oft sind das pragmatische Stopps wie Tankstellen. Christian dachte sich sinngemäß: Das kann man besser machen. Also: Eisdielen statt Tankstellen. Das ist objektiv eine Verbesserung der Welt.
Bei der Ice-Tour wird per Radcomputer oder Smartphone navigiert. Einige Tage vor dem Event gibt es die GPX-Datei im persönlichen Starterbereich. Unterwegs sammeln die Teilnehmer digitale Stempel, zeigen ihren Starterpass und bekommen an den offiziellen Checkpoints jeweils eine Kugel Eis gratis. Außerdem können Trinkflaschen mit Wasser und Iso-Pulver aufgefüllt werden.
Start und Ziel aller Routen ist Karl mag’s süß am Brühl Boulevard. Dazu kommen je nach Strecke weitere Partnerstationen: Bäckerei Bräunig, Eisdiele Schöne, Klatt Eis und auf der Königsrunde zusätzlich das Eiscafé Elisenhof am Töpferbrunnen in Kohren-Sahlis.
Wer mehr möchte – zweite Kugel, Kaffee, Kuchen oder eine dringend notwendige Portion „Ich habe mir das verdient“ – zahlt das selbst. Was fair ist, denn kleine Läden unterstützt man nicht nur mit einem Check-in.
Digitaler Stempel und kleine Eis-Challenge
Die Ice-App ist bei der Tour nicht nur Beiwerk, sondern Teil des Ablaufs. An jedem Checkpoint wird digital bestätigt, dass man dort war. Das funktioniert über GPS, QR-Code oder Check-in. Wenn es schnell gehen muss, kann man auch einfach ein Foto vom Eis machen, einen leeren Check-in anlegen und die Details später ergänzen.
Am Eventtag soll außerdem eine öffentliche Event-Karte freigeschaltet werden. Dort können Interessierte sehen, welche offiziellen Eis-Stopps bereits erreicht wurden und wie viele Starter dort eingecheckt haben. Wer möchte, kann zustimmen, dass Name und Check-in-Zeiten sichtbar sind.
Zusätzlich gibt es eine kleine Ice-Challenge: Wer am Eventtag die meisten Eisportionen mit Beweisbild eincheckt, gewinnt ein kleines Präsent. Ich sage mal so: In anderen Sportarten nennt man das Doping. Hier ist es vermutlich Vanille.
Für wen ist die Ice-Tour gedacht?
Christian möchte mit der Ice-Tour Menschen ansprechen, die gern viel Rad fahren. Also Leute, die Lust auf eine größere Runde haben, ein gemeinschaftliches Event erleben möchten oder einfach neue Strecken mit guten Eisdielen ausprobieren wollen.
Das heißt aber auch: Die Tour ist nichts, was man spontan mit quietschendem Cityrad und leerem Handy-Akku angeht. Helm, Navigation, wettergerechte Kleidung, Trinkflaschen, eigene Snacks und eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition gehören dazu.
Die 75 Kilometer der Genussrunde sind die kompaktere Variante, aber auch das bleibt eine echte Radtour. Die 140 Kilometer und die 175 Kilometer richten sich klar an sportlichere Fahrerinnen und Fahrer, die mit Navigation und längerer Belastung umgehen können.
Radeln und Gutes tun
Der Teilnahmebeitrag beträgt 15 Euro. Damit werden die Organisationskosten gedeckt. Überschüsse sowie zusätzliche freiwillige Spenden gehen an den Elternverein krebskranker Kinder e.V. Chemnitz.
Ich habe Christian gefragt, wann das Event für ihn gelungen wäre. Seine Antwort war nicht: wenn möglichst viele Leute kommen oder wenn die App danach explodiert. Für ihn wäre es gelungen, wenn alle Beteiligten einen tollen Tag haben, niemand stürzt, die Radfahrer schöne Eis-Stopps erleben, die Cafés und Eisdielen neue Kundschaft und Aufmerksamkeit bekommen, der Elternverein gut unterstützt wird und man am Ende bei Karl mag’s süß noch gemeinsam ausklingen kann.
Das ist angenehm unaufgeregt. Kein großes Event-Gebrüll, sondern der Wunsch nach einem guten Tag. Manchmal reicht das völlig.
Warum diese Idee zu Chemnitz passt
Ich mag an der Ice-Tour, dass sie nicht wie eine ausgedachte Kampagne klingt. Da fährt jemand Rad, entdeckt Eisdielen, baut eine App, ergänzt Routen und macht daraus ein Event. Nicht von oben geplant, sondern aus echter Nutzung gewachsen.
Genau solche Geschichten braucht Chemnitz. Nicht immer nur die großen Worte über Wandel, Aufbruch und Potenzial. Manchmal ist eine Stadt viel greifbarer, wenn jemand eine Idee einfach macht. Eine gute Strecke, ein paar Eisdielen, Menschen mit Helm und Hunger – fertig ist eine kleine Geschichte, die hängen bleibt.
Und für uns schließt sich der Kreis natürlich besonders schön, weil Karl mag’s süß Start und Ziel der Tour ist. Der Tipp kam direkt von Alex, und als Chosy-Ort passt das ohnehin gut: rausgehen, Orte entdecken, nicht immer nur über Chemnitz reden, sondern Chemnitz benutzen.
Chosy macht das eher gemütlich. Die Ice-Tour macht es mit Höhenmetern. Beides hat seine Berechtigung. Vor allem, wenn am Ende Eis im Spiel ist.
Kurz eingeordnet
Die Ice-Tour Chemnitz 2026 startet am Samstag, 16. Mai 2026 bei Karl mag’s süß am Brühl. Es gibt drei Strecken über rund 75, 140 und 175 Kilometer. Die Teilnahme kostet 15 Euro, pro offiziellem Checkpoint ist eine Kugel Eis inklusive. Die Tour ist kein Rennen, sondern eine Community-Ausfahrt für Menschen, die gern Rad fahren und neue Eisstopps entdecken möchten.
Mehr Infos gibt es auf ice-app.de.