Über 50 Jahre, über drei Generationen, sind die Inhaber des Modell 19 mit ihrem Diamant gefahren. Was das „brave Tourenrad“ in den Jahren 1923 bis 1975 wohl alles erlebt hat? Das preiswerte Einstiegsmodell von den 1885 in Reichenbrandt gegründeten Fahrradwerken ist mit dieser Mobilitätszuverlässigkeit nicht das älteste Modell der neuen Sonderausstellung im Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz. Doch für den Museumsleiter sind ohnehin die Geschichten, welche den Menschen mit ihrem Diamant verbinden und die technischen Besonderheiten der ausgestellten Räder, welche den Besuch in der Stern Hochgarage nicht nur für Pedalenthusiasten zu einem Erlebnis machen werden. Zum alljährlichen Fahrradfest wird diesen Sonntag eine neue Sonderausstellung eröffnet, welche die Unternehmensgeschichte als spannende Zeitreise durch fünf Gesellschaftssysteme, mehrere Wirtschaftskrisen und Besitzerwechsel dargestellt. Ihr Name: „130 Jahre Diamant – Geschichte einer großen Marke“.

Als Disclaimer zu diesem Artikel könnte ich wohl erwähnen, dass auch ich ein Diamant-Modell alltäglich durch unsere Stadt fahre. Doch natürlich muss man kein Fanboy der Marke sein, um sie zu kennen und ihren lokalen Ursprung zu schätzen. Diamant ist ein Name, mit welchem wohl jeder etwas anfangen kann. Der schwungvolle, leicht nach rechts geneigte Schriftzug und das Bubenkopf-Logo sind heute noch präsent wie eh – und das nicht nur bei älteren Modellen oder etwa beim Besuch des Tierparks aus der Ferne oben am ehemaligen Produktionsgebäude auf der Straße, welche nach den Gründern der Werke Nevoigt heißt. Aber wie der erste Absatz mit seinen durchaus vielen (Jahres)zahlen schon verrät, es geht hier um Geschichte und doch vor allem aber Geschichten und nicht etwa „alte Fahrräder“.


130 Jahre Diamant
Die „mobilen Klassiker“ des Museums werden in der Dauerausstellung um zahlreiche Modelle erweitert, sodass man ein lebhaftes Bild von den 130 Jahren bekommt. Nicht nur die Fahrradentwicklung wird darin präsentiert, sondern auch die Phasen des Motorradbaus, der Zusammenschluss mit den Elite-Werke Brand-Erbisdorf oder die stets wichtige Textilmaschinenfertigung werden gezeigt. Nicht nur Räder wurden also hergstellt. Aus dem Werk für Platinen und Schreibfedern (deren Diamant-Stahl mitunter zum Markennamen der Räder führte) wurde bereits 1903 der Hersteller eines bis zu 50 km/h schnellen Motorrads. Faszinierend ist natürlich, dass gerade die ältesten Modelle aussehen als wären sie einem aktuellen „Hipster-Katalog“ entnommen. Gleich beim Eingang hängen sie an Fahrradketten befestigt von der Decke. Die Auswahl wurde nach Ästhetik, Innovationen und Besonderheiten getroffen. Dazu gehört nicht nur der „wahnsinnig leichte“ Alurahmen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein Detail, was den Laien wohl gar nicht so auffällt: gemeint ist das „Geschenk von Diamant an die Fahrradwelt“. Eine ausversehen durch die Firma nicht patentierte Achsaufnahme – das erste Rad mit der für den schnellen Radwechsel bei Rennen konstruierten ausfallenden Aufnahme für die Hinterradachse. Womit wir beim Thema wären. Denn am Sonntag ist ggf. unter den Gästen auch Täve Schur zu Gast, welcher die Straßen-Weltmeisterschaften auf einem Diamant gewonnen hat. Sicher dabei bei der Frage- und Autogrammstunde mit ehemaligen Radsportgrößen sind u.a. Günter Auerswald und Werner Weber.


Fahrradfest mit Fotowettbewerb
Das Fahrradfest am Sonntag lockt mit einem bunten Programm, bei dem es auch ein nagelneues Diamantrad zu gewinnen gibt. Die Aktion heißt „Dein Foto für ein Fahrrad“ und prämiert wird das schönste private Foto mit einem Rad der Marke. Weiterhin erwartet euch: ein Fahrradparcours für Kinder, begleitetes Hochradfahren, Testfahrten auf aktuellen Diamant-Rädern und Präsentationen der Chemnitzer Radsportvereine der Straßen-, Bahn- und Radballsportler.



Bleibt noch die Antwort, was denn nun das älteste Rad in der Ausstellung ist. Etwa das Modell aus dem Jahr 1905? Der Zufall wollte es, dass gerade bei meinem Besuch zu diesem Bericht ein Anrufer ein noch älteres Modell für den Sonntag angekündigt hat. Nun könnt ihr ein Tandem aus dem Jahr 1896 bewundern. Ein Besuch am Sonntag lohnt sich also!


Was? Fahrradfest
Wann? 28.06.15, ab 10 Uhr
Was? Sonderausstellung „130 Jahre Diamant – Geschichte einer großen Marke“
Wann? 28.06.15 – 30.11.15, Di-So und Feiertage von 10 bis 17 Uhr (mit Chosy Gutschein 2 Personen Eintritt zum Preis von einer)
Wo? Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz, Zwickauer Str. 77, 09112 Chemnitz