Ein Erfahrungsbericht zum Carsharing in Chemnitz mit Fotos und Text von Stefan Klix
Lange habe ich darauf gewartet: Leergut in den Kofferraum packen und mit dem Auto ins Kaufland fahren. Dort das Leergut oben im Getränkehandel abgeben, eine Kiste Bier und weitere Getränke holen und die schon einmal in den Kofferraum laden. Anschließend den Einkaufswagen im Kaufland voll machen und wieder zurück zum Auto. Dann ab nach Hause und vor dem Haus parken. Schließlich die Einkäufe schön im Fahrstuhl nach oben befördern. Geschafft!
Bitte? Nichts Besonderes? Alltag bei euch? Mag sein. Bei mir jedenfalls nicht! Ohne eigenes Auto habe ich als Student meine Einkäufe bisher immer im Bus bzw. in der Straßenbahn transportieren müssen. Den vollen Rucksack und die zwei großen, schweren Tüten durch Chemnitz zu wuchten ist zwar ein gutes Training und man spart sich das Fitnessstudio, aber ganz ehrlich: Darauf hätte ich die vergangenen vier Jahre gern verzichtet!
„Hast du kein Auto?“, wurde ich häufig gefragt, wenn ich von diesem Problem erzählte. Aber dafür war der Geldbeutel nie groß genug. Und außerdem war der Bedarf nie so dringend, als dass ich regelmäßig ein Auto gebraucht und sich die Investition gelohnt hätte. Und Freunde, die ein Auto besaßen, wollte ich auch nicht immer bitten, mit mir einzukaufen.
Und welches Auto bin ich jetzt nun gefahren? Einen Renault Twingo, der an der Reichsstraße auf einem Parkplatz steht. Wieso der da steht? Na damit man ihn bei Bedarf mietet, um solche Touren zu erledigen, wie ich sie jetzt beispielsweise beschrieben habe. Besitzer des Autos ist die Firma teilAuto. Die hat vor ein paar Wochen an mehreren Punkten in Chemnitz Fahrzeuge hingestellt. Nach einer Anmeldung kann man online Fahrzeuge reservieren und Fahrzeuge an diesen Punkten abholen. Nach der Fahrt stellt man das Auto einfach wieder dort ab.
„Carsharing“ heißt dieses Konzept. Viele Nutzer teilen sich ein Auto – daher vermutlich der Name „teilAuto“. Das ist ökologischer und sogar günstiger als wenn jeder ein eigenes Auto hätte. Neben dem DB-Carsharing-Partner teilAuto, welcher bisher nur in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktiv ist, existieren in Deutschland weitere Carsharing-Anbieter, beispielsweise Stadtmobil, Cambio Carsharing, Greenwheels, Car2Go von Daimler oder auch BMWs DriveNow. In Dresden und Leipzig gibt es teilAuto schon eine ganze Weile. Und zwar an vielen verschiedenen Standorten in der Stadt und mit unterschiedlichen Fahrzeugtypen – sogar Cabrios gibt es jetzt! (Für so eine Spritztour im Sommer eine tolle Sache …)
Und wie das jetzt genau funktioniert mit teilAuto? Man kann sich bei der Anmeldung zwischen verschiedenen Tarifen entscheiden. Ich bin beispielsweise einer von vier Tarifpartnern meines Bruders und teile mir mit ihm die Grundgebühr des Rahmentarifs. Und dann bucht man online – vorzugsweise auch über die mobile Website oder iPhone-App – das gewünschte Fahrzeug zur gewünschten Zeit – vorausgesetzt es wurde für den Zeitraum nicht schon von jemand anderem reserviert.
Ich habe am Sonntagabend entspannt auf dem Balkon den Twingo für Montagabend für meinen Einkauf gebucht. Die Buchungsbestätigung sieht dann so aus (zum Vergrößern bitte klicken):
Von meiner Wohnung bis zum teilAuto-Parkplatz an der Reichsstraße brauchte ich am Montagabend knapp 10 Minuten. Sich auf den Drahtesel schwingen und das Fahrrad in der Nähe des Parkplatzes anschließen ist natürlich auch möglich.
Das Fahrzeug öffnet man dann nicht mit einem Schlüssel, sondern mit der eigenen Kundenkarte, die man an das Lesefeld an der Frontscheibe halten muss.
Im Handschuhfach befindet sich dann der Zündschlüssel in einer speziellen Halterung. Dort liegt auch das Bordbuch, welches neben Fahrzeugschein und Tankkarte viele nützliche Infos enthält.
Auf dem Weg zum Kaufland in der Sachsenallee habe ich noch einen kleinen Umweg über die Uni-Bibliothek gemacht, weil ich noch ein paar Bücher abgeben musste. Und auf dem Parkdeck der Sachsenallee habe ich den Twingo dann vollgepackt.
Bevor ich das Auto nun zum Parkplatz zurückbrachte, fuhr ich meine Einkäufe zunächst zur Wohnung. Ungefähr 25 Minuten nach 21 Uhr schloss ich das Fahrzeug mit der Kundenkarte wieder ab.
Fahrtkosten meines Einkaufs:
Zeitpreis: 5,70 € (3 Stunden à 1,90 € im Rahmentarif)
Kilometerpreis: 3,22 € (14 Kilometer à 0,23 € im Rahmentarif)
Gesamt: 8,92 €
Natürlich habe ich auch deutlich mehr eingekauft als bisher. Dafür brauche ich auf der anderen Seite viele Dinge, vor allem Getränke und haltbare Lebensmittel, in nächster Zeit nicht einkaufen. Letztendlich habe ich mir Zeit gekauft und Stress vermieden. Man muss eben wissen, was einem dieser Komfort wert ist. Ich jedenfalls mag meinen neuen Einkaufswagen!
Stefan Klix studiert an der TU Chemnitz Master Medienkommunikation, schreibt zurzeit seine Masterarbeit bei der KOMSA AG in Hartmannsdorf und arbeitet nebenbei für die Agentur Frische Fische in Dresden. Web: about.me/stefanklix




