Event

7. Studentische Medientage Chemnitz

4. April 2011 4 Min. Lesezeit Chemnitz lebt Redaktion
KURZ EINGEORDNET

Bevor wir tiefer einsteigen: Hier kommt der schnelle Überblick für alle, die sofort wissen wollen, worum es geht.

  • Warum das Thema gerade spannend ist
  • Für wen sich der Tipp wirklich lohnt
  • Was man schnell mitnehmen kann

Ein Besuch am Times-Square, lächelnd und mit ausladender Geste. Die vierköpfige Familie total glücklich und vereint bei einem Spaziergang. Oder die locker-coole Momentaufnahme mit einer Rockgruppe auf dem T-Shirt bei einem Konzert. Dies sind alles Fotos, die man als (ehemaliger) Verteidigungsminister zur Hand haben sollte, um sie beim nächsten Besuch in einer Talkshow präsentieren zu können. Allgegenwärtig sind die Guttenberg-Bilder. Ein Mann, der (sich) in Szene setzt.

Der Themenbezug der diesjährigen 7. Studentischen Medientage an der TU Chemnitz (9./10. April) könnte mit den „Dimensionen medialer Inszenierung kaum aktueller sein. Zur Konfernz, die auch für Nicht-Studenten offen steht, gibt es Vorträge und kostenfreie Workshops. Die Anmeldung zu jenen ist noch möglich. Die Chemnitzer Medientage selbst starten dieses Jahr bereits vor dem eigentlichen Event mit Flashmobs in den Großstädten des Freistaates. Wir haben Stefan Klix, einen der Hauptorganisatoren der Medientage, zu diesem ungewöhnlichen Punkt sowie zum Programm befragt:

Zum diesjährigen Motto „Einstudieren. Aufpolieren. Zelebrieren. Dimensionen medialer Inszenierung“ wollt ihr Flashmobs in den drei größten Städten Sachsens durchführen. Erzähl mal mehr davon.
Eine außergewöhnliche Veranstaltung braucht außergewöhnliche Werbung. Wir wollen mit den Flashmobs in Dresden, Leipzig und Chemnitz für Aufmerksamkeit bei Leuten sorgen, die nicht auf Flyer und Plakate reagieren, aber vielleicht dennoch ein Interesse daran haben könnten, sich doch zumindest weiter über unsere Veranstaltung zu informieren. Was bei den einzelnen Flashmobs durchgeführt wird, ist an die Begriffe „Einstudieren“, „Aufpolieren“ und „Zelebrieren“ angelehnt. Beim Flashmob „Einstudieren“ in Leipzig studieren alle Teilnehmer den Tanz Macarena ein und tanzen dann öffentlich zusammen. In Dresden werden die Teilnehmer Schuhe und Schuhputzzeug mitbringen und dann gemeinsam Schuhe „aufpolieren“, während wir hier in Chemnitz eine Polonaise in der Nähe des Galeria Kaufhof zelebrieren, also gemeinsam feiern.
Weitere Infos gibt’s hier:
http://www.facebook.com/event.php?eid=110949995652669 (Chemnitz)
http://www.facebook.com/event.php?eid=119986794743425 (Leipzig)
http://www.facebook.com/event.php?eid=119468211462907 (Dresden)

Was ist dein persönliches Highlight bei den Medientagen dieses Jahr?
Das Blöde an dem Begriff „Highlight“ ist, dass er alle Dinge bedeutungsloser macht, die nicht Highlight sind. Da wir aber nur Highlights haben *hust*, müsste ich an dieser Stelle das gesamte Programm aufzählen. Das wäre mal ein Highlight …
Im Ernst, ich finde die Tatsache, dass wir ReferentInnen aus Breslau (Polen) und Wien (Österreich) bei den Medientagen begrüßen können, bemerkenswert. Dann haben wir wieder ein richtig gutes Workshopangebot in diesem Jahr. Da hat unser Team ganze Arbeit geleistet!

Wie seid ihr auf den Themenschwerpunkt der Konferenz gekommen?
Mediale Inszenierung umgibt uns täglich: Wenn wir unser Profil bei Facebook oder StudiVZ pflegen – dabei vorwiegend positive Ansichten von uns selbst in den Vordergrund rücken – oder wir uns einem Unternehmen in einem Bewerbungsverfahren präsentieren oder uns streitwütige Politiker in Fernsehtalkshows ansehen. Das Thema unserer Konferenz ist daher sehr weit gefasst und auf der anderen Seite sehr konkret, weil wir uns die medialen Darstellungsformen aus einer bestimmten Perspektive betrachten. Dabei stellen sich Fragen wie „Was ist echt und was nur Show?“, „Was ist authentisch?“ oder „Mit welchen Tricks versucht man uns zu manipulieren?“.

Worin liegt die Grenze zwischen Inszenierung und Manipulation?
Die Grenze ist abhängig von Erwartungen, die wir bewusst oder unbewusst haben. Im Theater erwarten wir eine gute Inszenierung und eine künstliche Welt, Lügen und Intrigen sind Teil dieser Welt. Wenn Herr zu Guttenberg, ehemaliger Verteidigungsminister, in einem öffentlichen Statement behauptet, dass die Vorwürfe bezüglich seiner (abgeschriebenen) Doktorarbeit „abstrus“ seien, später zugibt, dass seine Arbeit „Fehler“ enthalte, obwohl es vermutlich eine bewusste Täuschung war, dann versucht er die Menschen zu manipulieren. An dieser Stelle werden Erwartungen an einen beliebten Politiker gebrochen.

Kennst du Beispiele gelungener medialer Inszenierung bzw. aufgedeckter Manipulation aus den Raum Chemnitz bzw. Sachsen?

Im Jahr 2000 gab es einen Medienskandal, bei dem die Stadt Sebnitz in Ostsachsen ins Kreuzfeuer der Medien gelang. Ein Junge ertrank in einem Schwimmbad, die BILD-Zeitung schrieb, dass der Junge von rassistischen Jugendlichen ertränkt worden sei. Das passte natürlich in das Bild vom außerländerfeindlichen Ostdeutschland. Er starb jedoch vermutlich auf Grund eines Herzfehlers an einem Herzinfarkt und anschließendem Ertrinken. Überhaupt wird der Osten oft als fremdenfeindlich dargestellt, obwohl das ja gar nicht so ist. In Chemnitz gibt’s ja immer mal Diskussion um das Image, dass die Stadt versucht von sich zu vermitteln. Auf „Chemnitz zieht an“ folgte die Gegenaktion „Chemnitz zieht weg“ – eine Inszenierung, die tief blicken lässt.

Beim Medienforum Mittweida haben wir und viele andere Besucher auch, einen freien Zugang zum WLAN vermisst. Wird es freies WLAN für die Besucher der Medientage geben?
Ein passwortgeschütztes WLAN wird es geben und hoffen, dass auch alles klappt.

Dann wünschen wir gutes Gelingen und allen Besuchern viel Spaß!

Was? 7. Studentische Medientage Chemnitz
Wann? 9. – 10. April 2011
Wo? TU Chemnitz, Reichenhainer Straße 90
Infos: www.medientage-chemnitz.de

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