Was steht denn da auf einmal? Dort, wo vorher eine Art des Nichts und ja doch irgendwas gewesen sein muss, bleiben Passanten am Bernsbachplatz neugierig vor roten Bänken stehen. Sie schauen zunächst verwundert, dass da überhaupt ein Flecken Stadt ist. Dann ergibt sich ein Muster in der Anordnung und es ruft von der Wiese: „Nimm Platz“. Aus dem ins hohe Gras getrimmten Schriftzug vom Sommer diesen Jahres ist nun ein Ensemble roter Bänke geworden.
Wie „nun“? Wie lange steht das schon? Wurde es in der Hektik des vielbefahrenen Platzes zwischen heimfliegenden Erzgebirgern und übervollen Studentenbussen etwa bisher übersehen? Im Wind aber summt das Baustellen-Absperrband: neu-neu.
Da in der Presse nichts dazu stand, haben wir mit dem Initiator, dem Berliner Künstler Pfelder, persönlich gesprochen. Er sagte uns, dass aus dem temporären Sommergrasschnitt erst am Anfang dieser Woche das Folgeprojekt realisiert worden ist. Eigentlich sollte es schon etwas früher stehen, ist es doch gerade etwas ungemütlich zum Platz nehmen, aber die Mittelbewilligung zog sich etwas (sozusagen die Fällerlaubnis für die Grashalme). Seine Intention ist, wie schon beim gemähten Text, den Chemnitzern das Potential des ungenutzten freien Raums vor Augen zu führen. Freier Platz, der nicht nur räumlich besteht.
In Kürze wird die Stadt das „Nimm Platz“ abnehmen und wenn dabei alles klar geht, könnte es schon am 1. Advent um 15 Uhr den Bürgern zur „Nutzung“ übergeben werden. Es steht dann bis mindestens nächsten Sommer da, kann im Viertel ggf. noch anderes platziert werden. Und selbst wenn man im Winter nicht so oft Platz nehmen kann, ist gewiss mit den roten Buchstaben im Schnee ein neues allgegenwärtiges Fotomotiv des Typs „Zuhause“ geschaffen worden.

