Frage demnächst das Thekenpersonal: „Was ist denn hier die beliebteste Wurst im Laden?“ und sicher bekommst du die alltägliche Antwort: „Na, 100g Durchschnitt, natürlich“. So ist der Alltag. Und so zeigt ihn das Motiv der diesjährigen Begehungen als farb- und konturlosen Schnittbereich zweier Wurstscheiben. Die siebte Ausgabe des Kunstfestivals wurde gestern eröffnet und lädt noch bis Sonntag zum Besuch in die Karl-Liebknecht-Schule in der Nähe vom Brühl ein.
Die beiden Wurstscheiben symbolisieren die Frage, ob angesichts der Normstandards und Mittelmaße im Alltag noch Individualität möglich ist. Und so verwundert es nicht, wenn die Mischpalette des Einerlei ein Schneidbrett ist – die Arbeitsgrundlage des animalischen Hungers. Das Motto der Begehungen jedoch hat dort in der Nähe vom Brühl eine besondere Bedeutung – Wursttheken gibt es hier nämlich schon längst nicht mehr. Und so wollen die Festivalmacher mit der Kunst eine Innenstadtbrache von Chemnitz beleben. Seit 2008 stand die Schule leer, jetzt sind die Werke von 55 Künstlern eingezogen. Ausgewählt wurden sie von einer dreiköpfigen Jury (Thomas Bauer-Friedrich, Kurator des Museum Gunzenhauser Chemnitz), Jan Kummer (Künstler und Veranstalter) und Manty Graf (Galeristin).
Doch nicht jeden Tag der gleiche Toast, dachte sich wohl Steffen Cyrus und zeigt seine einhundert individualisierten Frühstücksscheiben, während er jedem Besucher seinen Pinselduktus zu erklären versucht. In „Mind My Hat“ zeigt sich Amir Zainorin mit den Hüten unterschiedlicher Kulturen. Fünf Künstler aus Ungarn lassen den Fokus in das Land an der Donau schweifen und Mutter Sonne ist auch da. Was sich außer surrenden Brotschneidemaschinen, verschiedensten Theater- und Musikacts noch hinter all den Türen versteckt? Freitag bis Sonntag hast du Zeit, es herauszufinden und deinen verabredeten Kino- oder Fernsehabend kannst du dank vielseitigem Filmprogramm auch bei den Begehungen durchführen.
Programm für heute
Freitag, 20. August
Ab 14:00
Ausstellungsräume: Ausstellung geöffnet
15:00 – 16:00
Kino „100g von allem“ Nr. 1 – jedes Genre steht für sich. Kurzfilme aus internationaler Perspektive. Fiktion, Animation, Experimentelles.
16:30 – 18:00
Kino: Triff die Künstlerin mit Kai-Oi Jay Yung (Liverpool, Film/ Workshop/ Gespräch). Jay verbindet in ihren Arbeiten verschieden Methoden, die Mitwirkung Außenstehender und die psychologische Umwelt. Installationen, Filme und Performances befassen sich u.a. mit „Community Art“ und der Herkunft kultureller Formen.
17:30 – 18:30
Theatercafé: „Panenka – The Doll“ Jindriska Krivankova, Tomas Legierski (CZ, Perfomance). Panenkas Eltern sterben bei einem Autounfall. Während der Animationsfilm nüchtern die Begebenheit schildert, setzen die Akteure tänzerisch die Emotionen dazu um.
18:30 – 19:30
Innenhof: radio121 (Mittweida, Performance). Experimentelle World-Sound-Performance
19:30 – 20:30
Theatercafé: „Fünf gewinnt: ein Stück tierischer Menschlichkeit“ Fräulein panTo.c (Chemnitz, Performance). Die Pantomime fragt, wo tierischer Verstand ein- und menschlicher Trieb aussetzt.
21:00 – 24:00
Sporthalle: Global Thrills @ Begehungen (Chemnitz und Fulda). Die Partyreihe, die Chemnitz von Balkanbeat bis Baile Funk das Tanzen lehrt, präsentiert die Anarcho – Performer Hat’n’Hoodie. Sie schießen die Halle in einem Bassfeuerwerk bis auf die Milchstraße und zurück.
21:30 – 22:30
Kino: „Oma rennt!“ Kurzfilmprogramm mit Unterhaltungsaspekt.
23:30 – 24:00
Kino: „Nada que decir“ Kurzfilmprogramm – Filme, die man erst nach halb zwölf zeigt.
Was? 7. Begehungen Chemnitz – Kunst- und Kulturfestival
Wann? 19. – 22. August 2010
Wo? Karl-Liebknecht-Schule, Mühlenstraße 94, Chemnitz
Weitere Infos und Programm im Netz unter: www.begehungen-chemnitz.de



