Der Tag der Architektur am vergangenen Wochenende hat weniger Besucher angezogen als erhofft, meldet dpa. In Chemnitz war z.B. die Fraunhofer-Einrichtung Enas zu besichtigen. In der FAZ schrieb Büchner-Preisträger Martin Mosebach anlässlich des bundesweiten Events seinen Frust über „neue Ensembles“ unter oben zitierter Überschrift und der Frage herunter: „Was ist all das in Beton gegossene Millimeterpapier unserer bauwürdigen Epoche gegen die weiträumige Schönheit und Eleganz der verschwindenden europäischen Stadt?“
Freilich beanstandet er nicht die neue Innenstadt von Chemnitz, kennt er die Stadt doch maximal als „zwischen Leipzig und Dresden“ gelegen. Doch in seinen Zeilen über den Abriss in Frankfurt a.M. in den 60er Jahren fühlt man sich an die Verhältnisse in der „Stadt der Moderne“ negativ erinnert, er meint dazu in der Retrospektive:
In unserer Gegenwart will ja eigentlich niemand eine andere als eine Gründerzeitwohnung haben; selbst ehrgeizige Architekten, die ihrer Klientel millionenteure Villen hinsetzen, ziehen für sich selbst eine Gründerzeitwohnung vor.
Er wünscht sich eine Stadtplanung, die aus ihrer „Selbstzufriedenheit“ erwache und mit „Reue und Abscheu auf das blickten, was sie bis dahin als ihr Lebenswerk zu bezeichnen gewohnt waren“. Spiegel Online kritisiert jene Haltung als „konservative Stadtplanung“. In Chemnitz wird derweilen wohl das Haus an der Hartmannbrücke (Hartmannstraße 16) beseitigt, was nach dem Eckhaus an der Augustusburger Straße 102 für Aufsehen sorgt und das Stadtforum so resümiert:
„Es kann aber sein, dass die Chemnitzer erst aufwachen, wenn das Haus weg ist.“