Nichtsahnend betrat der Schreiber die erhitzte Handelshölle der Sachsenallee für einen Bedarfskauf kurz vorm Verlassen der sommerlichen „hot town“, doch die Heimsuchung bahnt sich bereits an. Es ist Freitag, der 4. Juni 2010, um etwa 13:36 Uhr.
Zwei Dutzend „Shopper“ warten vor einer Bühne mit drei Mikrofonen. Erinnerungen an den Auftritt von Scooter in der Galerie Roter Turm werden wach. Wie auf dem Weg zur Apotheke gestoppt stehen sie da, wohl alle mit Rezept für die ohrale Einnahme einer Schunkelpille. Wieso beschleicht einen gerade in Chemnitz das unheilvolle Gefühl, dass der Mediamarkt für die „Früher-War-Alles-Besser“-Zielgruppe etwas aufspielen lässt?
Obwohl manchmal tatsächlich „früher alles besser“ war – in Warenhäusern dudelte noch harmlose Warenhausmusik, in Galerien wurde tatsächlich noch sowas wie Kunst ausgestellt und vor allem: Volksmusik war verboten spielte man nur in Hinterwalddörfern, wo sie Niemanden störte und hörte. Mittlerweile hat sich aber Chemnitz als „Tor zum Erzgebirge“ zur Hochstadthalle der Volksmusik entwickelt zurückgebildet. So war es keine Überraschung mehr, als dann tatsächlich eine halbe Stunde später ein Rentner-Flashmob die Bühne umstellte, von der das Schifferklavier schallte. Es ist 14:12 Uhr und viele der Fans sehen alt aus, haben sie doch mindestens eine halbe Stunde auf ihre Idole gewartet.
„De Randfichten“, vielen bekannt aufgrund von gar nichts, einigen bekannt aufgrund ihrer Lieder, manchen bekannt aufgrund einer Antikampagne von vor einem halben Jahrzehnt, müssen beim Verlassen des Marktes passiert werden. Gerade der 2004er Rechtsstreit zwischen der Gruppe und einem Chemnitzer Stadtmagazin um die Unterlassung der „Tötet den Holzmichel“- Satire-Shirts sorgte sogar für einen Artikel bei Spiegel Online und einige Aufmerksamkeit, die sonst weder der eine noch der andere Streitpart erreicht hätte. Die Volksmusikanten gewannen den Rechtsstreit. Seitdem traut sich niemand mehr etwas Negatives über diese sympathischen Musiker mit Herz, Volksnähe und den göttlichen Liedtexten zu schreiben. Ja, „De Randfichten“ sind die Botschafter des Erzgebirges in aller Welt.
Hier in der sächsischen Einkaufs-Allee ohne Fichten oder andere Bäume sind „De Randfichten“ um ihre neue CD zu verkaufen. Der Mediamarkt, bekannt für seine dezente Plattenauswahl jenseits des Popmix, bietet die Single „Rups am Grill“ schon für drei Euro an. 😆
Das Chosy Chemnitz Blog verlost kein Freiexemplar der neuen Randfichten-CD. Um zu gewinnen, einfach bis zum 01.04.2047 einen Kommentar schreiben, weshalb die Randfichten total toll sind.



