Für manche könnte der Rückblick auf die Begegnungen 2010 gleich ein letztes Résumé des gesamten Kulturfestivals von Chemnitz sein: quasi ein Rückblick ohne Perspektive. Anlass für die schlechte Stimmung sind die wenigen Besucher (um die 2500) beim vorher als „große Open-Air-Party“ angekündigten Event am vergangenen Samstag beim Marx-Monument. Nachdem es bereits 2009 zu offenen Diskussionen über die weitere Ausrichtung des Festivals kam (Sponsorengelder fehlten, Veränderungsideen gab es einige), dürften die Konsequenzen dieses Mal „interessanter“ werden.
Während die „Freie Presse“ den Tag vom Umzug vom Seeberplatz bis zum Stadthallenpark eher nüchtern nach Fakten + Stationen hin abhandelt, hat die Morgenpost Chemnitz diese Zeilen unter der Überschrift „Wo waren bloß die Chemnitzer?“ veröffentlicht:
Die Klasse eines Festivals erkennt man meist daran, wie es wächst. Die Chemnitzer Begegnungen sind offenbar drauf und dran, einzugehen.
Weiterhin berichtet „Sachsen-Fernsehen“ über die „Geringe Resonanz bei Fest zur Rückbenennung“ und über verwunderte Passanten, die nicht wussten, was das ganze soll. Und außer dem MDR hat wohl kein überregionales Medium für die Begegnungen Chemnitz einen Platz gefunden.
Der Umzug vom Seeberplatz an der Chemnitz, begleitet von den Kehrbrigade-Trommlern auf dem Braustolz-Laster und Stelzenläufern, überraschte die Einkäufer der Innenstadt tatsächlich. Viel Spaß hatten jedoch die etwa 30 Graffiti-Künstler an den Bauzäunen des Behördenzentrums rund um dem Düsseldorfer-Platz. Das passende Motiv zur Rückbenennung – den Marx-Kopf – hatte, neben vielen abstrakten und bunten Entwürfen, hier Ralf Hecht von Flavor-Graffiti-Art aus Altenburg schon seit den Mittagsstunden kreiert. Vom Stadthallenpark drang dann das „Hupkonzert“ der Leipziger Auto Symphoniker durch die Stadt als wäre gerade die Mauer gefallen.
Gegen Abend schien ein Junggesellenabschied dann tatächlich einen beträchtlichen Anteil an den Zuschauern an der Brückenstraße auszumachen.
Positiv berichten alle jedoch über das Theaterfestival „Schönste Blume des Ostens„, so schreibt etwa die MoPo sogar:
Ein Festivalpflänzchen hätte allerdings das Zeug zum Wachsen: das Theaterfest…
und lobt das Schauspiel-Programm sowie das Speeddating. Wer letzteres verschlief, so müssen wir sagen, hat wirklich was verpasst. Hier verschenkten Experten ihr Wissen an jeden interessierten Bürger, bis nach jeweils 8 Minuten der Gong ertönte und es für den Besucher zum nächsten Tisch ging. So erzählte ein Klavierbaumeister aus Klaffenbach über die von ihm restaurierten Instrumente u. a. in der Villa Esche und die technischen Details seiner Arbeit. Der Chef des Spielemuseums oder der Kurator des Museums Gunzenhauser begeisterten die Besucher für ihre Einrichtungen. Wissenschaftler sowohl Professor als auch Doktorand der TU von Anglistik, Politikwissenschaften oder etwa Medienkommunikation, aber auch Unternehmer aus dem Technologie-Sektor referierten über ihr Fachwissen. Vom Fleischer- und Bäckermeister, Mitarbeiter der Stadtbibliothek und des Theaters selbst waren alle denkbaren Professionen beim Speeddating der Schönsten Blume des Ostens dabei.
Woran es nun gelegen hat, dass zu wenige Besucher zu den Begegnungen kamen? Einige suchen dies in fehlendem oder verfehltem Marketing, andere vermissten die Kultur und monierten den Volksfest-Charakter. Jugendliche seien entweder bei Stay-Rebel (wo aber angeblich auch nur 1000 Gäste gezählt wurden) oder am Stausee gewesen. Wo waren aber die restlichen Chemnitzer?
Bilder






