
„100g Durchschnitt, bitte!“ ist das Motto, zu dem Nachwuchskünstler und solche aus der freien Szene aufgerufen sind, Werke zu den 7. Begehungen (19.-22.08.10) einzureichen. Im Spannungsfeld von nivellierender Norm und Individualität wird die Beteiligung eines breiten Spektrums aller Kunstformen angestrebt.
Das Ausschreibungsmotiv zeigt zwei Scheiben Wurst, ähnlich wie auf einem Mischbrett für Farben eines Malers. So wie der abgepackte Standardbrotbelag aus dem überall im Land gleich aufgestellten Supermarktregal fertig durchschnittlich daherkommt, überschneiden sich die Scheibe Blut- und Bierwurst in der Mitte des Motivs in einem scheinbar leicht verdaulichen, aber ebenso geschmacksneutralen farb- und konturlosen Bereich. Die Frage der Ausschreiben ist angesichts der „Normstandards, Nettogewichte und Mittelmaße im Alltag“ also: „Wie viel Individualität lassen diese Maße noch zu?“ Bis zum 31. Mai läuft die Bewerbungsphase. Danach wertet eine dreiköpfige Jury (Thomas Bauer-Friedrich, Kurator des Museum Gunzenhauser Chemnitz), Jan Kummer (Künstler und Veranstalter) und Manty Graf (Galeristin) die Einsendungen aus und entscheidet über die Teilnahme der Künstler für die Ausstellung.
Im vergangenen Jahr waren die Begehungen auf dem Brühl wegen Personal- und Geldmangels ausgefallen, während im Jahr davor noch 2500 Besucher kamen. Dieses Jahr kehrt das unabhängige Chemnitzer Kunst- und Kulturfestival unter Regie eines neu gegründeten Vereins an einem neuen Veranstaltungsort zurück ins Stadtleben.
Die „Begehungen“ sind ein unabhängiges Chemnitzer Kunst- und Kulturfestival. Seine Intension ist es, der vom demografischen Wandel und Leerstand geprägten Stadt, durch temporäre kreative Aktionen neue Impulse zu geben.
Veranstaltungsort wird die ehemalige Karl-Liebknecht-Schule an der Mühlenstraße am Rand vom Zentrum sein. Die Bildungseinrichtung wurde wie viele andere Gebäude wegen Schülermangel im Jahr 2008 geschlossen. Damit verweist der Verein auf das Potential der kreativen Temporärnutzung von Leerstand durch kulturelle Zwecke. 45 Räume stehen für das Festival zur Verfügung. Räume, in denen einst junge Chemnitzer für gute und schlechte Noten lernten, auf die Ferien oder Hitzefrei hofften und aus dem Lehrerzimmer in den Pausen ein Kaffeegeruch strömte.
Neben dem Dialog zwischen den Ausstellern und der Schaffung einer Künstlergemeinschaft haben die Begehungen das Ziel, einem breiten Publikum den Besuch der Veranstaltungen zu ermöglichen, da kein Eintritt erhoben wird.
Weitere Infos im Netz unter: www.begehungen-chemnitz.de oder email an marcel.hartwig@begehungen-chemnitz.de
Was? 7. Begehungen Chemnitz – Kunst- und Kulturfestival
Wann? 19.-22.08.2010
Wo? ehemalige Karl-Liebknecht-Schule an der Mühlenstraße
