Die thematische Lesereihe von Eske Bockelmann und Burkhard Müller im Weltecho Chemnitz verband dieses Semester das Motto „tiefer Süden“. Bisher wurden die Werke von Edgar Allan Poe, Georg Forster und William Faulkner vorgestellt. Am heutigen Montag um 20 Uhr werden die beiden Philologen mit dem britischen Schriftsteller polnischer Herkunft Joseph Conrad (Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski) den letzten Autor aus der diessemestrigen Reihe lesen. Eine Kurzvorstellung gibt es hier:
Heute geht’s also um den Autor Joseph Conrad, der eigentlich Theodor Jozef Konrad Korzeniowski hieß, und 1857 in der Ukraine geboren wurde. Konrad, dessen Eltern polnischer Herkunft waren, wuchs in Russland auf, verfasste seine Werke jedoch in englischer Sprache.
Joseph Conrad
Conrad begann etwa 1890 seine Laufbahn als Schriftsteller. Als Kapitän eines Flussdampfers an den Stanley-Fällen des Kongo hatte er schweres Fieber bekommen und musste in einem Kanu an Land gebracht werden. Das Kanu kenterte, doch Conrad wurde gerettet. Damals hatte er die Anfangskapitel seines ersten Romans bei sich. Das Fieber verließ ihn nie mehr, ein letzter Versuch 1893, auf See wieder zu gesunden, misslang. Bis zu seinem Tod schuf er, ohne große finanzielle Mittel, ein umfangreiches literarisches Werk. (Quelle: Wikipedia)
In „Herz der Finsternis“ von 1902 reist der Erzähler, Kapitän Marlow, in den Kongo und in die Abgründe der Kolonialisierung. Bekannt ist die filmische Adaption des Werks in Francis Ford Coppolas Apocalypse Now. Auf der Reise auf dem Kongo-Fluss begegnet der Ich-Erzähler aus dem Egoismus der Menschen gespeiste Verhaltensweisen und allerlei Wahnsinn, die im Elfenbeinhändler Kurtz ihren Konvergenzpunkt zu finden scheinen. Im Kontrast dazu sind es die Schilderungen der stillen Natur, welche in der Geschichte vorkommen:
Die Reise den Strom hinauf war wie eine zu den frühesten Anfängen der Welt, als der Pflanzenwuchs noch auf der Erde wucherte und die großen Bäume Könige waren. Ein leerer Strom, ein großes Schweigen, ein undurchdringlicher Wald. Die Luft war warm, dick, schwer und drückend. Der Glanz des Sonnenscheins brachte keine Freude. Das Fahrwasser erstreckte sich weithin, in überschattete Ferne. Auf silbrigen Sandbänken sonnten sich Flußpferde und Alligatoren nebeneinander, an breiteren Stellen strömten die Wasser zwischen unzähligen bewaldeten Inseln dahin; man verlor auf dem Strom seinen Weg, wie man es in einer Wüste tun kann, plagte sich den ganzen Tag lang mit Untiefen herum, versuchte, das Fahrwasser zu finden und hielt sich schließlich für behext und für immer von allem, was man je gekannt, abgeschnitten, weit weg, vielleicht in ein anderes Land versetzt. Es gab Augenblicke, da einem die Vergangenheit vor Augen stand, wie es manchmal geschieht, wenn man gerade keinen Augenblick Zeit für sich selbst übrig hat; doch die Vergangenheit kam in der Gestalt eines unruhigen, lauten Traumes und weckte Verwunderung, im Vergleich zu der überwältigenden Wirklichkeit dieser fremden Welt aus Pflanzen, Wasser und Schweigen. Die Stille dieses Lebens hatte mit Frieden nicht das geringste zu tun. Es war die Ruhe einer unversöhnlichen Kraft, die über unerforschlichen Ratschlüssen brütete. Sie blickte einem rachedurstig entgegen. (aus: Herz der Finsternis von Joseph Conrad)
Weitere Werke von Joseph Conrad, die euch bei der Lesung im Weltecho Chemnitz begegnen könnten, sind z.B. Nostromo (1904), Spiegel der See (1906) oder Der Geheimagent (1907).
Was? Eske Bockelmann & Burkard Müller lesen und stellen vor
Wo? Weltecho, im Haus „Kammer der Technik“, Annaberger Straße 24, Chemnitz
Wann? Montag, 18.01.10 um 20 Uhr
Wie viel? Eintritt kostenfrei