Wer Presseberichte im Zusammenhang mit dem derzeitigen Bildungsstreik der „Uni-Rebellen“ in Deutschland oder Österreich liest, trifft oft auf die Parole „Die Uni brennt“ (ZEIT-Artikel). Möglichwerweise kennt ihr ihn auch als Hashtag #unibrennt bei Twitter.
Seit letzten Mittwoch besetzen einige Chemnitzer Studenten den Audimax der TU (wir berichteten). Gestern nun der „dramatische“ Höhepunkt – eine große Zusammenrottung vorm NHG. Bricht nun doch eine große Revolte in Chemnitz aus? Brennt es jetzt in der Uni, erreichen die Proteste die Straße? So mancher war überrascht und hätte nicht daran gedacht, dass die Studentenproteste jetzt noch ein solches Ausmaß annehmen. Ungläubige und skeptische Blicke der Passanten in Richtung der Menschenansammlung waren zu beobachten. Aber halt – keine Plakate waren zu sehen und „niemand fing an zu schreien“.
Und da: Feuerwehrfahrzeuge vorm Gebäude, der Wind schien eine leichte Melodie heranzutragen: „Hurra, hurra, die Schule Uni brennt“ Ich weiß, liebe mitlesende Wohnheimbewohner, für euch ist ein Feueralarm Alltag. Wie sich herausstellte, war es aber nur Fehlalarm. Doch keine Revolte und brennende Uni?
Im Gebäude kein anderes Bild: im besetzten Hörsaal N115 war wenig zu spüren von Revolution. Wo sonst jede Woche das Seniorenkolleg die Plätze füllt, waren gestern Nachmittag gerade einmal die ersten drei Reihen besetzt. Da fehlte wohl irgendwie das ZDF wie am Montag, das für besetzte Stühle sorgte. Anstatt der Einladung der Bildungsstreiker zu folgen, waren die Chemnitzer Senioren in einen anderen Raum umgezogen, um sich ungestört über die Probleme des Jemen zu informieren. Allerdings fanden dort nicht alle Platz, 400 enttäuschte Senioren mussten weggeschickt werden.
Zum Vortrag von Alexander Hallasch „Bildungsstreik – Was bisher geschah“ im Audimax kamen neben Prof. Dr. em. Schöne, Initiator und wissenschaftlicher Leiter des Seniorenkollegs, nur etwa 25 Senioren und eine fluktuierende kleine Zahl an Studenten. Die Rentner zeigten zwar Interesse für die Forderungen der Streikenden, gänzlich verstehen konnten sie die Situation schon allein wegen der geringen Anzahl der Streikenden aber nicht.
Der eigentliche Grund für den Feueralarm im Weinholdgebäude nebenan war wohl eine alte Leuchtstoffröhre. Klingt auch nach Bildungsstreik, wenn auch wesentlich unspektakulärer. Die TU Chemnitz jedenfalls hat gestern nicht gebrannt.

