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Noch höher als der Weihnachtsbaum

19. November 2009 3 Min. Lesezeit Chemnitz lebt Redaktion
KURZ EINGEORDNET

Bevor wir tiefer einsteigen: Hier kommt der schnelle Überblick für alle, die sofort wissen wollen, worum es geht.

  • Warum das Thema gerade spannend ist
  • Für wen sich der Tipp wirklich lohnt
  • Was man schnell mitnehmen kann

stadtwerke_chemnitz_01Chemnitz hat dieses Jahr den höchsten Weihnachtsbaum Sachsens. 🙄 Nochmals 277m höher als die Fichte auf dem Markt ist ein Bauwerk aus Stahlbeton – der Schornstein der Stadtwerke gilt als höchstes Gebäude Sachsens und wird wohl im Alltag kaum mehr wahrgenommen, obwohl man ihn von fast überall her dampfen sehen kann. Der Eigentümer macht gerade mit Plakaten in der Stadt auf sich aufmerksam, wovon wir eines im Hauptbahnhof gesehen haben, was irritierend wirkt.

„Junge Energie für Chemnitz“ versprechen die Worte über der Best-Agerin mit leckerer Sahnetorte auf den Plakaten der Stadtwerke Chemnitz. Ein Spruch, der hier und da im Stadtgebiet mit unterschiedlichen Motiven die Vorzüge von regionalem Strom (von „hier“) anpreist. In einer Stadt, die mit 47 Jahren ganze sieben Jahre beim Durchschnittsalter seit 1990 zugelegt hat, scheint die Jugend hoch im Kurs zu stehen. Jugend ist in.

Unser städtischer Energielieferant möchte wohl deshalb mit dem doppelsinnigen Spruch auf seine regenerativen Angebote sowie die Nachwuchsförderung hinweisen. Ein Spruch, den auch die Essener RWE AG im Rahmen ihrer Corporate Responsibility nutzt, um Kindern und Jugendlichen die Vorzüge gewisser Kraftwerkstypen spielerisch zu vermitteln. Positiv formuliert geht es beim Online-Spiel darum, die Frage zu beantworten: „Warum wird nicht alle Energie durch Solarzellen erzeugt?“

stadtwerke_chemnitz_02Anders als die Gemeinde der gelben Comicfiguren bzw. des „Juwels der Heide“ verfügen wir hingegen nicht über eine solche alternativlose Einrichtung. Dafür ist der 307m hohe Schornstein absolut sehenswert – zumindest ist er, wenn man aus der Ferne kommt, das erste Zeichen für Chemnitz. Aus 1.019.482 Tonnen Braunkohle von Vattenfall erzeugt dort das Heizkraftwerk Strom und Fernwärme. Was hier verbrannt wird ist knapp 200 Mio. Jahre jünger als die im Karbon entstandene Steinkohle. Reicht das als Grund um mit „junger Energie“ zu werben?

An Braunkohle kritisiert wird der hohe Flächenverbrauch beim Abbau sowie die etwa doppelt so hohe Freisetzung von CO2 im Vergleich etwa zu Gaskraftwerken. Ebenso irritierend wie der Werbespruch ist in diesem Zusammenhang diese Tabelle von 2007, welche wir auf der Seite der Stadtwerke gefunden haben. Demnach erzeugt jeder von uns bei einem Energieverbrauch von etwa 1300 kWh pro Jahr eine Tonne radioaktiven Abfall. 😉 Dreht man die Zahlen, bestätigt sich die wiedergegebene Kritik von Umweltschützern, wonach die CO2-Emissionen von Braunkohle wesentlich höher sind. Die CO2-Emissionen der Stadtwerke sind 240 g pro kWh höher als der Bundesdurchschnitt. Dafür fällt nur die Hälfte Atommüll an (liegt im eingekauften Atomstrom begründet).

Umwelt- auswirkungen Stadtwerke Chemnitz AG Deutschland



CO2-Emissionen 0,00030 g/kWh 0,00070 g/kWh
radioaktiver Abfall 781 g/kWh 541 g/kWh

Der Anteil an regenerativer Energie am Absatz der Stadtwerke schließlich liegt bei etwa 17 Prozent. Die Suche nach Nachhaltigkeit führt übrigens auf die Seite „Stadtwerke Chemnitz AG – Energieeffizienz – der Umwelt zuliebe“, welche leider nicht verfügbar ist. Die „junge Energie“ ist folglich eher schwierig auffindbar, die Zahlen sprechen für sich.

Die Torte sieht jedoch trotzdem lecker aus. Wir hoffen, die Dame hat diese auch tatsächlich selbst gebacken und nicht nur fürs Foto gestellt bekommen.

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