Eine junge Frau, Elisabeth, versucht während der Wirtschaftskrise der Weimarer Republik beim anatomischen Institut ihren Leichnam zu verkaufen. Mit dem Geld will sie sich eine berufliche Existenz aufbauen. So ist das Anfangsszenario in „Glaube Liebe Hoffnung“ von Horváth. Das Schauspielhaus zeigt den „kleinen Totentanz“ ab Februar. Zugleich ist „Glaube Liebe Hoffnung“ das Motto, was allen Stücken der seit letzte Woche gestarteten neuen Spielzeit die Grundrichtung gibt.
Gestern Abend stellten Enrico Lübbe und sein Dramaturgieteam in einem „Schauspiel extra“ die neuen Stücke und Schwerpunkte im Spielplan 2009/2010 vor. Danach konnten die etwa 60 Besucher eine Probe von „Die Grönholm-Methode“ erleben.
Große Bühne mit schwereren Stoffen, kleine Bühne mit fünf Uraufführungen und die Nachtschicht mit eher flippigen Veranstaltungen, wie Lesungen, Club Royal und Chemnitz rocken, geben den Rahmen für die neue Spielzeit. An Uraufführugen steht z.B. „Fracht (Nautisches Denken I – IV)“, das zweite Auftragswerk von Ulrike Syha, auf dem Plan. Dann die Geschichte des „Sinnlos“ im Kontext der Schöpfung und der Arbeitsvermittlung in „Menschen bei der Arbeit“. Zusammen mit den Theatern in Gera/Altenburg und Magdeburg wird 20 Jahre Wende in „OstOstOst“ behandelt. Eine Ring-Uraufführung, d.h. jedes der drei Theater bringt ein eigenes Stück, welches dann im Austausch bei den anderen zu sehen ist.
Ab 29. November läuft das Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, was sogar im Vorverkauf zu 80 Prozent ausverkauft sei. Für Erwachsene gibt es zwei Abendvorstellungen.
Weitere Highlights sind:
- Elektra (Erstaufführung in Chemnitz): Hofmannsthal-Tragödie über die Tochter des Königs von Mykene, welche als „Lebensmotiv die Rache für den ermordeten Vater“ hat – „ein sprachstarkes Stück“, so die Schauspielleitung.
- „goldfischen“: Bei Nick klopfen die Kumpels an die Tür und reißen ihn mit Dauerparty und Intrigen aus dem Traum von der Banklehre und dem BMW vor dem Tür. Gesponsert von der Sparkasse (kein Scherz).
- Ab März 2010 wird der ehemalige Schauspieldirektor Hartwig Albiro wieder auf der Bühne zu sehen sein. Freut euch auf die Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“, in der zwei männliche Schauspieler die Rollen von den zwei älteren Damen Emmy und Martha Bruster einnehmen werden. Lübbe verriet bereits, dass Albiro übrigens nicht als Leiche zu sehen sei.
Außerdem kommt mit der „Grönholm-Methode“ ein Stück nach Chemnitz, was spannend unterhält. Ähnlich dem Film „Cube“ geht es hier um Lüge und Verdächtigung, bei der Suche nach dem Ausgang aus dem Würfel. Anders als zum Film „spielen“ die Protagonisten aber nicht um ihr Leben, sondern nur um einen begehrten Job als Manager, oberhalb des Großraumbüros und der „Cubicles“. Wer bekommt den Job und wer hat sich aus der Personalabteilung eingeschlichen? – sind die Fragen, welche die Zuschauer gestern Abend bewegten. Und viele andere Chemnitzer wollen es auch wissen, denn die Premiere am Samstag ist schon ausverkauft.





