Chemnitz lockte zum Festumzug in Gedenken an den Fabrikanten Hartmann und weit mehr Zuschauer als erwartet säumten die Straßen. Eine alte Dampflok, über zwanzig Tonnen schwer, wurde vom Hartmannplatz zum Hauptbahnhof gezogen. Nicht etwa hinter einem Lkw her, sondern von sechzehn Pferden wie vor einhundert Jahren. Von der Produktionsstätte zum Einsatzort brauchte es für die Auslieferung noch einmal die Kraft der Tiere, welche im „Jahrhundert der Eisenbahnen“ ansonsten abgelöst wurde. Der Grund für den Transport der Loks fünfzig Jahre lang über die Straße war nicht wie beim heutigen Flugzeugbau die Verteilung der Fertigung an verschiedene Standorte, sondern die Konkurrenz zu Schönherr, welcher den Bau einer Strecke über sein Gelände nicht zuließ. Ein ungewöhnliches Ereignis, was selbst die Einheimischen zu Touristen mit abertausenden Kameras in der eigenen Stadt machte. Als Fotomotive fuhren im Umzug noch Oldtimer, Hochräder und eine Dampfwalze mit, welche durch den Geruch von verbrannter Kohle zusätzlich für das historische Flair sorgte.
Das Richard-Hartmann-Jahr zum 200. Geburtstag des „Sächsischen Lokomotivenkönigs“ geht im Industriemuseum weiter: bis zum 8. November läuft die Ausstellung „Mythos Hartmann“ begleitet von Vorträgen, am 6. September und 25. Oktober finden 14 Uhr Sonntagsführungen statt.
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