Ein Würfel wirkt auf viele intuitiv bedrohlich. Denn in der Natur kommt so ein fehlerfreies Gebilde, ebenso wie die harmonisch wirkende Kugel, nicht vor. Anhänger von Horrorfilmen kennen sicherlich „Cube“ von 1997 – hier erwachen sieben Menschen in einem Würfel, ohne zu wissen, wie sie dorthin gekommen sind und erleben allerlei „Abenteuer“. Anhänger von Science Fiction kennen sicherlich den Borg-Würfel, Raumschiff einer aggressiven Maschinenspezies aus den Tiefen des Alls. Und die Anhänger von Roadmovies kennen sicherlich den unheilvollen Baucontainer, der einen langen Stau auf der Autobahn zum High-Noon ankündigt.
Alle drei Gruppen können beruhigt sein: bei der Eröffung des Info-Kubus wurde niemandem ein Leid zugefügt, niemand eingesperrt, niemand assimiliert. Aber halt: im Stau standen schon einige. Denn der Andrang der Chemnitzer, um in den Kubus zu gelangen, war groß. Der Kubus, der seit dieser Woche in der Innenstadt steht und eigentlich ein Würfel werden sollte, stellt einen weiteren Baustein für die Imagekampagne der Stadt dar.
Außen sind Fotos von Chemnitzern zu sehen, die in den vergangenen Wochen z.B. an der Uni oder in der Stadtbibliothek befragt wurden. Allein ich habe vier mir bekannte Gesichter entdeckt, so z.B. ihn. Im Inneren könnt ihr 99 Meinungen der Befragten zu Chemnitz lesen und hören sowie euch Informationsmaterial zur Stadt der Moderne anschauen. Außerdem stehen druckfrische Postkarten mit verschiedenen Motiven von Chemnitz bereit, die von euch verschickt werden möchten.
Schaut’s euch an, der Container ist täglich von 10-20 Uhr für die nächsten drei Monate geöffnet.
Wir könnten euch nun Fotos von den Repräsentanten der Imagekampagne zeigen oder von Daniel Schuhmacher, wie er am Donnerstag die Chemnitzer Teenies zu Kreischorgien herausforderte, stattdessen zeigen wir euch den Chemnitzer Noctulus aka Enrico. Wer Noctulus nicht kennt – erst am Samstag trat der selbsternannte „Black Metal Bundeskanzler“ bei der Nachtschicht-Reihe des Schauspielhauses im Exil auf. Manch einer kennt ihn vielleicht auch von den jährlichen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig oder als Straßenmusiker vor der Galeria Kaufhof, wo er Passanten mit seinen Raumschiff-Geschichten mitreisen lässt. Nicht jeder versteht oder mag ihn – so wie die Imagekampagne. Aber er ist Kult geworden.
